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CHRISTOPH J. WALTHER Am Berner Nordring sind die Redaktionen der Espace-Medien
nun im Medienhaus vereint. Wie das MTJ in verschiedenen Gesprächen
vor Ort herausgefunden hat, geht man dabei mit bernischer Unaufgeregtheit
pragmatisch vor. Zwar kann Rauchen die Gesundheit gefährden, doch für Franziska Boser ist es ein klarer Vorteil. Sie ist Newsredaktorin bei Capital FM, dem Regionalradio der Espace Groupe in Bern, die als erstes grösseres Medienunternehmen in der deutschen Schweiz alle Redaktionen unter einem Dach vereint hat. Weil im Multimediahaus Rauchen verboten ist, treffen sich Redaktorinnen und Redaktoren der Berner Zeitung, von Bernerzeitung. ch, von Telebärn und von Capital FM auf dem Trottoir am Berner Nordring und knüpfen, so sie denn Raucher sind, Kontakt untereinander und besprechen aktuelle Themen. Denn als Radiofrau wage sie sich selten in die Redaktion der BZ vor, gesteht Boser ihre Zurückhaltung, die nicht zuletzt durch die lange etablierten Gräben zwischen den nun örtlich vereinten Medien geprägt sei. Dieser Einblick in das multimediale Schaffen ist typisch für das Vorgehen bei den Redaktionen der Espace Groupe: Ohne Zeitdruck und strikte Vorgaben sollen die Redaktionen aufeinander zu finden und die multimediale Zusammenarbeit entstehen lassen. Das bestätigt Markus Eisenhut, Co-Chefredaktor der Berner Zeitung: «Wir haben den Weg nicht festgelegt, wir sind am Heraustüfteln, und die Freiwilligkeit ist uns wichtig.» Man könne Journalisten nicht befehlen, ab heute müssten sie eine Videokamera mitnehmen. Und dennoch gebe es bei der BZ immer mehr Mitarbeiter, die bei ihrer Arbeit auch die AV-Medien mitberücksichtigen, weil sie gemerkt haben, dass sie so eine viel grössere Resonanz erzielen. Die einzige Forderung betreffe Online-First: Bei aktuellen Berichten muss die Essenz möglichst rasch in 20 bis 30 Zeilen der Online-Redaktion übermittelt werden. Verweigerungsfälle gebe es da keine, berichtet Eisenhut, aber solche, die es vergessen. Doch würden beim Print viele Geschichten ohnehin erst nach 18 Uhr fertig, da bei Online die Zugriffszahlen rasch zu sinken beginnen, fügt Eisenhut wie zur Entschuldigung seiner Leute an.
VERSCHIEDENE RHYTHMEN ALS GRÖSSTES PROBLEM Überhaupt ist er des Lobes voll: «Die Redaktion in Bern ist die flexibelste, die ich bisher angetroffen habe.» Man spüre den konkreten Willen, sich zu verändern. Dennoch sei es wichtig, Schritt für Schritt voranzugehen und die Teams den gemeinsamen Nenner für die Zusammenarbeit untereinander finden zu lassen. Als Basis dafür gelte: «Wir behalten unsere autonomen Plattformen, aber wir sind gegenüber den Partnern offen. Wir erzählen jede Geschichte, wir geben auf Fragen Antworten. Wir haben aber auch das Recht zu sagen, ‹nein den Primeur will ich für mich behalten›.» Solche Parameter müssten zuerst definiert werden. Und nur wenn man zu diesen Abmachungen stehe, transparent und vertrauenswürdig bleibe, könne man die Leute mitnehmen. Sicher habe es bei der BZ-Redaktion anfänglich Bedenken gegen den Grossraum gegeben, bekennt Eisenhut. Doch habe der Umbau der Redaktionsräume es erleichtert, sich daran zu gewöhnen: Einzelne Ressorts seien fünf Mal umgezogen und dabei in immer grössere Räume gewechselt. Auch hätten sich die verschiedenen Rhythmen der Medien als grösstes Problem für die multimediale Zusammenarbeit entpuppt, offenbart Eisenhut weiter. Radio und Online berichten immer und umgehend, das Fernsehen sei auf die Ausgabe um 18 Uhr und die Zeitung auf den Abschluss um 23 Uhr fixiert. Und längst nicht alle Printgeschichten ergäben vernünftige TV-Geschichten und umgekehrt. So sei die Zusammenarbeit vor allem bei den grösseren Geschichten gut, die an den täglichen Austauschsitzungen koordiniert werden. Deutlich distanziert sich Eisenhut von der Idee, dass ein Journalist für alle Medien alles machen müsse, eine Furcht, die in Journalistenkreisen beim Stichwort der integrierten Redaktion häufig anzutreffen ist. Mit diesem Vorgehen ist auch Matthias Lauterburg, Redaktionsleiter von Telebärn, zufrieden: «Ich bin wahnsinnig froh, dass man das Ganze sehr pragmatisch angegangen ist.» Für ihn betrifft das vor allem das Newsdesk, das einen Stock über den Radio- und Fernsehleuten gelegen und mit einer Wendeltreppe verbunden ist. Ginge es nach Plan, sollten hier die Tageschefs von Radio und Fernsehen präsent sein, was aber kaum je der Fall ist und eben auch noch nie angemahnt worden ist. Denn die Newsteams im Erdgeschoss haben keine Ressourcen, um jemanden dorthin zu delegieren. Hier offenbart sich denn auch eine Schwäche des Espace-Newsrooms: Die Gebäudehülle, wo vormals im Untergeschoss die Zeitungsdruckerei untergebracht war, war vorgegeben. Ein Newsroom entsprechend ausländischen Beispielen auf einer Ebene war somit von Anfang an ausgeschlossen. Hätte so gebaut werden können, wäre es für Lauterburg gut denkbar, dass Tageschefs von Radio und Fernsehen am Newsdesk präsent wären mit ihren Teams gleich vor sich.
QUERBEETKOORDINATION STATT SITZUNGSEXZESSE Gleich neben dem Newsdesk, eingeklemmt zwischen Sport- und Bildredaktion mit den BZ-Regionalressorts auf dem gleichen Stock, ist die Online-Redaktion. Für deren Chef, Beat Rüdt, ist es wichtig, die Bildredaktion in der Nähe zu haben, um so sofort von neuen Bildern zu erfahren, doch sei die Nähe zum Sport weniger wichtig als anfänglich gedacht. Auch wer bei der BZ-Redaktion lokale Stories mache, tauche immer wieder bei den Onlinern auf. Doch das ist nicht selbstverständlich. «Da haben wir eine Weile lang daran gearbeitet», reminisziert Rüdt. Ein Diktat von oben funktioniere nicht, weshalb man mit denen angefangen habe, die mitmachten, und habe die andern nachgezogen. Der Prozess daure jetzt dreieinhalb Jahre und habe angefangen mit drei bestellten und null gelieferten Texten. Heute bestelle die Online-Redaktion täglich zehn bis zwanzig Texte und erhalte 60 bis 70 Prozent. Rüdt spricht von einem «Lernprozess, der nun in die Gewöhnungsphase übergeht». Es klappe recht gut, aber noch nicht immer ganz von alleine. Immerhin können Printjournalisten die verlangten 20 Zeilen direkt ab ihrem Redaktionssystem der Online- Redaktion übermitteln. Doch der grösste Erfolgsfaktor für die multimediale Zusammenarbeit sei der Entscheid, die Mauern einzureissen und alle am gleichen Ort zu vereinen. Früher habe man sich nicht gekannt, jetzt laufe man sich viel mehr über den Weg. So ist es für Rüdt bei unerwarteten Ereignissen schon zur Gewohnheit geworden, schnell die Treppe zur TV-Redaktion hinunter zu rennen und etwas in den Raum zu rufen. Jemand höre immer zu, und so koordiniere man sich immer mehr querbeet, denn alle seien motiviert, für das eigene Medium das Beste herauszuholen, indem man mit anderen zusammenarbeite. Und niemand wolle dafür noch mehr Koordinationssitzungen. Die Planungssitzung der Zeitung um 11 Uhr, an der die Aussenstationen per Telefonkonferenz dabei sind und an der die Themen aller Ressorts offen gelegt werden, sowie die Sitzung um Viertel vor zwölf mit den Redaktionen von Radio und Fernsehen genügten vollauf.
«VIDEOVIRUS» GREIFT SCHNELL UM SICH Auch Matthias Lauterburg betont, er habe kein Leitbuch für die Zusammenarbeit geschrieben und fügt an: «Im Moment ist es genial, wie es läuft, aber es ist noch lange nicht perfekt.» Auf jeden Fall weine niemand im Team den alten Studios in Wabern eine Träne nach, die man nach über 13 Jahren in einem «absolut desolaten Zustand» verlassen habe. Da wesentliche Teile gezügelt wurden, sei es am Anfang zu verschiedenen technischen Problemen gekommen, die «sehr genervt» haben. Da die TV-Crew ohnehin am Limit fahre, sei der deswegen entstandene zusätzliche Stress zu einer echten Belastung geworden, doch heute sei die Stimmung «sehr gut». Er bedauert, dass es auf seinem Stockwerk keinen freien Platz gibt, denn sonst würde er die Online-Redaktion gern bei sich ansiedeln. «Ich würde sehr gern Online machen», gesteht er und beschreibt die Kombination der schnellen News-Medien als nahe liegender denn die Verbindung von Print und Online. So habe Telebärn die beste Hotline für News vom Publikum und zudem ist er sich sicher: «Die Bezahlzeitung muss künftig etwas ganz Spezielles bringen.» Video ist auf jeden Fall für Beat Rüdt ein wichtiges Thema: Sie werden nicht nur oft von Telebärn auf die Onlinesite übernommen, sondern auch von den Onlinern selber gemacht. Oft fahren sie mit einem Videojournalisten mit und halten ihm dafür als Gegenleistung auch mal seine Kamera. Rüdt sieht bei Videos noch viel Entwicklungspotenzial, weshalb derzeit die Regionalredaktionen mit Videokameras ausgerüstet werden. Dabei greift das Videovirus mitunter erstaunlich schnell um sich: Eine Kollegin, die schon seit zwanzig Jahren über die Thuner Fasnacht berichtet, habe nach einer kurzen Instruktion mit der Kamera viel besser darüber berichten können und gute Abrufzahlen erzielt. So treibt die Online-Redaktion nach den 20-Zeilen-Meldungen für Online- First mit Video die zweite multimediale Entwicklungswelle voran. Sie ist getrieben von Training on the Job. Irgendeiner fange an, zeige es den andern und so entwickle sich das Kollektiv. Gerne hätte man anfänglich Sprechausbildung und Video-Grundlagenkurse gehabt, doch das liege nicht drin und brauche es nicht mehr, sagt Rüdt. Denn die meisten Journalisten hätten heute eine eigene Videokamera, die genau gleich funktioniere, und da genüge ein fünfminütiger Crash-Kurs. So gebe es aus dem eigenen Haus immer mehr Videos auf der Website und es sei auch schon vorgekommen, dass Onlinevideos bei Telebärn in den Kurznachrichten aufgetaucht sind. Doch Rüdt macht sich auch keine Illusionen: «Wir werden nie zu VJs, die auch Hauptbeiträge machen. » Vorerst geht es darum herauszufinden, was wie machbar ist, ohne sich viel Zusatzarbeit aufzuladen. So wird der Schnitt in Bern bei der Online-Redaktion erledigt, und gemäss Rüdt dauert es eine halbe Stunde von der Aufnahme bis eine Videosequenz live im Netz ist. Bei ganz aktuellen Themen würden solche Videos «wie blöd genutzt» sagt Rüdt, aber nur «sosolala», wenn sie als Ergänzung zu einem Artikel kommen. Auf jeden Fall sei Video als Ergänzung zum Text viel attraktiver als nur eine Tonaufnahme, wie sie das Radio anbieten könne. Deshalb, so gesteht er, habe er noch am meisten Mühe, die geeignete Zusammenarbeit mit dem Radio zu finden. Doch zwischen Radio und Fernsehen wird seit der örtlichen Vereinigung häufig Material ausgetauscht. Vor allem sind die O-Töne vom Fernsehen für das Radio oft nützlich, wie Radiofrau Franziska Boser bestätigt. Früher habe sie die Kollegen von Telebärn kaum gekannt, sei auf Grund der örtlichen Distanz nie in Kontakt gekommen. Jetzt komme es zwar nicht täglich, aber häufig vor, dass das Radio vom Fernsehen O-Töne übernehme und auch von den Beziehungen und vom lokalen Wissen der Fernsehleute profitieren könne.
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ESPACE MIT VORREITERROLLE Die Espace Groupe kann für sich in Anspruch nehmen, sowohl bei der multimedialen Integration der Redaktionen wie bei der multimedialen Medienvermarktung in der Schweiz eine Vorreiterrolle zu übernehmen, die immer noch auf den visionären Strategien des früheren CEO, Albert P. Stäheli, und des Verwaltungsratspräsidenten, Charles von Graffenried, gründen. Doch während beim Verkauf schon wieder zurück buchstabiert wird (vgl. Sie tanzten nur einen Sommer, S. 30), stellt sich bei den Redaktionen die Frage, ob es genügt, wenn Journalisten nun gelegentlich etwas einfacher im Kampf gegen die Informationsflut zurechtkommen, wenn etwa das Radio unkompliziert die Tonspur vom Fernsehen übernehmen kann? Der Leser, der Hörer oder Zuschauer merkt davon nichts, respektive setzt das bessere Ergebnis einfach voraus. Dass mit dem Bezug eines gemeinsamen Medienhauses die Integration nicht abgeschlossen ist, wissen auch die Chefs am Berner Nordring. Nachdem die Idee eines News-Conductors, der den Nachrichtenfluss über alle Kanäle leiten und kontrollieren sollte, vom Tisch ist, verrät Markus Eisenhut, sei nun die Stelle eines News-Ressourcers im Budget vorgesehen. Dieser soll nicht mehr hierarchisch übergeordnet sein, sondern weitgehend dienstleistend multimedial einsetzbares Material triagieren und aufarbeiten. So bleibt zwar das Versprechen gewahrt, jede Plattform bleibe autonom, doch ein wahrer Mehrwert wird erst entstehen, wenn die Redaktionen wahrhaft zusammen wachsen. Sonst werden sich die Pioniere dereinst den Vorwurf gefallen lassen müssen: Too little, too late.
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RIGHTSIZING UND NEUE USPS Mit dem reinen News-Geschäft ist zunehmend kaum noch Geld zu verdienen. Sich an diese Gegebenheiten anzupassen, ist deshalb das Gebot der Stunde. Rupert Murdoch, der global tätige Medienzar, hat ein besonders Gespür für solche Entwicklungen. Er hat im März dieses Jahres angekündigt, eine neue Mega-Redaktion zu bilden, die künftig alle Objekte des Medienkonzerns – vom Wall Street Journal bis zu Fox News – mit Nachrichten bestücken soll. Wer mit News profitabel bleiben will, wird um ein solches Rightsizing nicht herum kommen. Das betrifft zuerst die branchenweite Zusammenarbeit. Im Zeitalter von Online-First macht es keinen Sinn mehr, mehrfach Ressourcen aufzuwenden, um alltägliche Pressemitteilungen oder triviale Ereignisse zu rapportieren. Solche Berichterstattungselemente müssen in der News-Branche unkompliziert ausgetauscht werden können, vor allem in nicht-kompetitiven Verhältnissen, wie sie heute weitgehend die Regel sind. Im eigenen Hause sind die Redaktionen aller Kanäle mit einem klaren Ziel so zu integrieren, dass damit jenseits des reinen News-Geschäfts neue Alleinstellungsmerkmale (USP, unique selling proposition) geschaffen werden, die von den Konsumenten für gutes Geld geschätzt werden. Das kann nur heissen, auf innovative, unerwartete Geschichten zu fokussieren und diese auf allen Kanälen optimal zu erzählen. Wer heute Multimediahäuser baut und Redaktionen zusammenführt, etabliert mit Vorteil gleichzeitig eine Vision, bei der dieses multimediale Geschichtenerzählen im Zentrum steht. Dieses Ziel muss von einer glaubwürdigen und kompetenten Führung vorgegeben werden, damit sich Mitarbeiter verlässlich daran orientieren können. Sie werden sich frühzeitig entweder für einen Karrierewechsel entscheiden oder ihre Weiterbildung entsprechend gestalten, die selbstverständlich mit Nachdruck zu fördern ist. Selbst unter idealen Bedingungen wird dieser Wandel kaum in weniger als fünf Jahren zu schaffen sein. Wer aktuelle Trends in der Medienbranche mittel- bis langfristig extrapoliert, kann nicht früh genug eine solche Neuausrichtung einläuten wollen.
Neues Berufsverständnis der Journalistinnen Dass es dabei um nichts Geringeres als um ein neues Berufsverständnis für Journalisten geht, wird klar, wenn eine weitere Anforderung dazu kommt: die Interaktion mit dem Publikum. Eine Million Schweizer sollen sich seit Anfang 2008 auf der Social Media Plattform Facebook eingeschrieben haben, die inzwischen unter den 14- bis 29-Jährigen als Top-Medienmarke gilt (gem. Media Use Index 2009, erhoben durch die Y&R Gruppe). Wer als Medienhaus dem Nachwuchs etwas bieten will, muss auf solchen Plattformen adäquat und originell auftreten, um so Kundenbindung zu betreiben und die eigene Marke zu stärken. Diese und andere interaktive Web-2.0-Instrumente müssen gleichermassen professionell eingesetzt werden. Und zwar von allen Redaktionsmitgliedern und nicht nur von ein paar Exoten, die an einem Community-Desk sich damit abmühen, nur damit alle andern im gewohnten Trott weiter machen können. Es braucht (wieder) Journalisten mit Ecken und Kanten, die kompetent und spannend informieren und dabei das Publikum begeistern und miteinbeziehen können. Interaktiver multimedialer Journalismus wird ohne Leidenschaft und Herzblut nicht erfolgreich zu betreiben sein. Es ist vorab Aufgabe der Verleger, entsprechende strategische Visionen zu verankern und für deren Umsetzung die richtigen Rahmenbedingungen, vorab durch eine geeignete Kaderauswahl, zu schaffen.
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SCHWEIZER NEWSROOMS Es ist nun gut schon ein Jahrzehnt her, seit die ersten multimedialen Newsrooms, vor allem in Amerika, für Aufmerksamkeit sorgten und bald Nachahmer rund um den Globus fanden. Ikone dieses Trends sind bis heute zentrale runde Newsdesks, wo sich alle Entscheidungsträger versammeln. Anfänglich wahlfahrten Newsroom-Enthusiasten auch aus der Schweiz nach Amerika, etwa nach Florida zur Tampa Tribune oder zum Orlando Sentinel. Später wurden sie in Europa, etwa in Skandinavien wie beim dänischen Nord Jyske Medier oder beim schwedischen Aftonbladet, fündig. Und wohl schon alle Schweizer Zeitungsverlage sind mit Delegationen ins vorarlbergische Schwarzach gepilgert, um das Vorarlberger Medienhaus des Verlegers Eugen A. Russ zu besichtigen, der seit langem als Medienpionier gilt. Seit im November letzten Jahres bei der Espace Groupe in Bern alle News-Aktivitäten der Espace-Medien vereinigt sind, gibt es auch in der Deutschschweiz multimedialen Anschauungsunterricht aus erster Hand. Allerdings gibt es keinen Königsweg, der einfach kopiert werden könnte; jede Redaktion muss hier ihren eigenen Weg finden und dabei in multimediale Arbeitsweisen hineinwachsen. Bei nachgerade allen Zeitungsverlagen gibt es Newsrooms-Projekte. Nicht alle sind gleich weit und nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen und Absichten. Und inzwischen gibt es rund um die Welt diverse Beispiele, wo solche Projekte nicht zu Freude, sondern vor allem zu Frustrationen geführt haben. In der Schweiz kommt der Edipresse Groupe die Pionierrolle bei der Gestaltung moderner Newsrooms zu. Im Jahr 2003 wurde ein redaktionelles Integrationsprogramm lanciert und mit dem Newsplex-Projekt der Ifra aktiv zusammengearbeitet. In Lausanne (24 heures und Le Matin) und Genf (Tribune de Genève) wurden für jeden Titel neue Redaktionsräume mit zentralen Newsdesks gestaltet und so Print und Online räumlich vereint. Mit einem neuen Redaktionssystem wurden Produktionsabläufe in die Redaktion verlagert, was es erlaubte, im technischen Bereich 40 von 200 Stellen abzubauen.
Es wird nach wie vor heftig investiert Auch bei der Aargauer Zeitung in Aarau werden derzeit Druckereiräume zu einem multimedialen Zentrum umgebaut, dessen Bau mit 18 Mio. Fr. zu Buche schlagen wird. Nebst baulichen Sanierungsmassnahmen ist ein Multimedia-Center (Newsroom) und ein neues Fernsehstudio geplant. Nicht neu oder kaum umzubauen braucht die Basler Zeitung. Die Redaktionsräume an der alten Börse am Aeschenplatz machen es einfach, einen integrierten Newsroom umzusetzen und dabei vor allem den Online- Kanal zu schärfen. Weniger klar ist die Sache bei den Zürcher Verlagen Tamedia und NZZ. In beiden Häusern sind Arbeitsgruppen daran, das künftige Vorgehen zu studieren. Bei der NZZ wurde bereits eine gemeinsame Nachrichtenredaktion für Online und Print etabliert, die als Nukleus für weitere Ausbauschritte dienen kann. Bei Tamedia wird vor allem im Rahmen des geplantem Neubaus auf dem Werd-Areal ein gemeinsamer Newsroom geprüft. Zu den Spitzenreitern in Sachen redaktioneller Integration gehört auch die zur NZZ-Gruppe gehörende LZ Medien Holding AG in Luzern. Den Neu- und Umbau des Medienzentrums liess man sich hier 30 Mio. Franken kosten. Die gesamte Redaktion, sowohl der Zeitung wie für Online, arbeitet auf derselben Etage zusammen. Auch beim zweiten NZZ-Regionalverlag, beim St. Galler Tagblatt, ist seit dem Relaunch des Blattes im letzten Oktober ein Newsdesk in Betrieb, an dem die Printund Online-Redaktion vereint sind. Anders als in Bern will man in der Zentral- und in der Ostschweiz die elektronischen Medien nicht vollständig integrieren. Bei der Südostschweiz wird im Rahmen der Planung eines neuen Medienhauses der Südostschweiz Medien in Chur oder Umgebung auch geprüft, wie die Medienkonvergenz in der Gruppe vonstatten gehen soll. Eine Arbeitsgruppe aus dem Bereich Zeitungen, Online, Radio und Fernsehen, Verlag und Finanzen soll im Frühling Vorschläge zuhanden der Gruppenleitung vorlegen.
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