Media Trend Journal

HOME

AKTUELL
Inhaltsverzeichnis
Login Abonnement

ARCHIV
Registrierung
Login/Suche

MEDIA
Links

ABONNEMENTS
Abonnieren
Ändern

ANZEIGEN
Tarif-Dokumentation

KONTAKT

IMPRESSUM

DISCLAIMER


TRENDS 2009 MEDIENNUTZUNG VON JUGENDLICHEN 
Neues Jugendorakel
UELI CUSTER
Eine Studie des Verbandes Schweizer Presse, der Wemf und des Link Instituts zeigt auf, in welche Richtung sich die Mediennutzung entwickeln könnte.

Was Jugendliche heute tun, bestimmt auch ihr Verhalten in der Zukunft – mindestens teilweise. Natürlich können geänderte Lebensumstände (Erwerbstätigkeit, eigene Wohnung, feste Partnerschaft, Kinder) die Gewichtungen verändern. Aber es ist kaum davon auszugehen, dass heute von Jugendlichen genutzte Medien in Zukunft völlig wegfallen.
Unter diesen Voraussetzungen vermittelt das Medienverhalten von Jugendlichen einen Ausblick in die Zukunft. Vieles davon wusste man schon. Erstmals liegt jetzt aber eine schweizerische Studie vor, die Aussagen über die Nutzungsmotive macht und die auch aufzeigt, welche Medien für welche Zwecke bevorzugt genutzt werden (siehe Kasten «Studien- Steckbrief»).

FRAUEN LIEBEN BÜCHER
Wenig überraschend ist die Nutzungshäufigkeit. Täglich oder sogar mehrmals täglich genutzt werden Internet (95%), Handy/SMS (92%), Fernsehen (80%), Radio (67%), Gratiszeitungen (65%) und Audio/Video-Streams/Podcasts (49%). Gleichzeitig werden die Streams aber auch von 28 Prozent selten oder nie genutzt. Diese Art der Nutzung ist im Übrigen bei männlichen Jugendlichen deutlich beliebter als bei weiblichen. Übertroffen werden Streams/Podcasts als selten oder nie genutzte Medien nur noch von abonnierten oder gekauften Zeitungen (29%) und Büchern (32%). Bücher werden aber auch von einem Drittel zwischen einmal wöchentlich und ein- bis dreimal monatlich genutzt. Besonders beliebt sind Bücher bei weiblichen Teenagern. 42 Prozent von ihnen lesen sie nämlich täglich. Zeitschriften nutzt mehr als die Hälfte zwischen einmal wöchentlich und ein- bis dreimal monatlich. Trotzdem: Die elektronischen Medien spielen bei jungen Leuten klar die Hauptrolle. Während dieses Verhalten grundsätzlich bereits bekannt ist, weiss man über die Nutzungsmotive (siehe Kasten «Abgefragte Nutzungsmoti ve») bisher recht wenig. Bestätigt wird einmal mehr der generelle Befund: Bei Jugendlichen spielt das Internet fast immer die erste Geige, sowohl beim Zeitvertreib und bei der Ablenkung als auch bei der Wissensvermittlung ist es die Nummer eins. Bei der Unterhaltung liegt es praktisch gleichauf mit dem Fernsehen und beim Überblick über aktuelle Ereignisse mit den Gratiszeitungen.
Eine starke Stellung hält aber nach wie vor das Fernsehen. Es steht bei allen Nutzungsmotiven mindestens unter den ersten drei – ausser wenn es darum geht, etwas dazuzulernen. In diesem Fall kommen Bücher genauso auf die Medaillenplätze wie dann, wenn es um ein spezielles Thema geht oder wenn man nichts Besseres zu tun hat. Bezüglich Lernfaktor kommen aber auch die Zeitungen noch in die Kränze. Zeitschriften können nur dann mithalten, wenn Jugendliche (vor allem weibliche) wissen wollen, was gerade in ist. Radio taucht in den Top drei nur gerade als Unterhaltungsmedium auf und belegt mit deutlichem Abstand hinter TV und Internet Rang drei.

DIE GRATISTITEL ALS LÜCKENBÜSSER?
Abgefragt wurde auch das Interesse für bestimmte Themen (siehe Grafik «Themeninteresse »). Eher unerwartet sind die schlechten Platzierungen von Themen wie «Stories über Stars und Prominente», «Fitness, Gesundheit, Ernährung» oder «Freundschaft, Beziehungen, Kontaktsuche ». Gut möglich ist, dass man vor allem den letzten Bereich lieber leben als konsumieren möchte.
In einem zweiten Schritt interessierte, welche Medien für welche Themen die wichtigste Rolle spielen. Es geht also um eine eigentliche Kompetenzzuordnung. Auch hier spielt das Internet eine wichtige Rolle. Bezüglich Musik, Veranstaltungen/ Ausgehen, Unterhaltungselektronik, Reisen sowie Kultur ist es für Jugendliche die erste Wahl. Bei nationalen und internationalen sowie bei regionalen und lokalen Nachrichten kommt es dagegen nicht in die Medaillenränge. Hier spielt die abonnierte Zeitung die Hauptrolle, während die Gratiszeitungen Rang drei belegen – bei nationalen und internationalen Nachrichten knapp hinter TV, bei regionalen und nationalen Nachrichten knapp hinter dem Radio. Und beim Sport belegen sie zusammen mit dem Internet den dritten Platz. Die Gratiszeitungen halten bei den abgefragten Themen dagegen nie den ersten Platz. Bei den Themen Veranstaltungen/Ausgehen und Sport platzieren sie sich aber immerhin als Nummer zwei. Man könnte daraus schliessen, dass sie wohl genutzt werden – aber nur, weil sie überall und gratis zur Verfügung stehen. Die Zeitschriften spielen nur bei den Themen Unterhaltungselektronik und Reisen eine Rolle und sind dort am zweitwichtigsten. Bei immerhin drei Themen kommt das Radio in die Kränze: Bei Musik und Lokal-News auf Platz zwei und bei Veranstaltungen/Ausgehen auf Platz drei. Das Fernsehen ist zwar in sechs von acht abgefragten Themen in den Medaillenrängen, belegt aber nur beim Sport den Spitzenplatz. Für nationale und internationale Nachrichten sowie für Kultur ist es das zweitwichtigste Medium. Bei den Themen Musik, Unterhaltungselektronik und Reisen belegt das Fernsehen Rang drei.

ZUKUNFT GEHÖRT DEM INTERNET
Wenn man aus dem Medienverhalten von Jugendlichen bereits erste Schlüsse für die Zukunft ziehen kann, erlauben Fragen bezüglich der Zukunftschancen einen etwas noch weiteren Blick in die Zukunft. Was man da sieht, ist in der Grafik «Nutzung in der Zukunft» zusammengefasst. Der Befund ist klar: In die Phalanx der elektronischen bzw. digitalen Medien können nur gerade die Gratiszeitungen als Printprodukt einbrechen. Und das Internet, obwohl schon heute das wichtigste «Medium», wird mehr als die Hälfte in Zukunft «auf jeden Fall oder mindestens eher» noch häufiger nutzen als jetzt schon. Bei allen acht bereits erwähnten Nutzungsmotiven wird für 65 bis 83 Prozent das Internet wichtiger. Den Spitzenwert erzielt das themenspezifische Interesse. Dahinter folgen die Hintergrundinformationen (77%), das Dazulernen (76%), der Zeitvertreib (75%) und die Unterhaltung (73%).
Zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib, aber auch zur Ablenkung vom Alltag gewinnt das Fernsehen für mehr als zwei Drittel der Jugendlichen an Bedeutung. 54 Prozent billigen diesem Medium aber auch für den schnellen Überblick über aktuelle Ereignisse eine wachsende Wichtigkeit zu – knapp gefolgt von den Gratiszeitungen mit 52 Prozent. Das Buch dürfte seine starke Stellung halten, wenn es darum geht, etwas dazuzulernen. Für immerhin 52 Prozent wird das älteste aller Medien nämlich noch wichtiger werden. Bei allen andern Nutzungsmotiven ist pro Medium immer deutlich weniger als die Hälfte der Meinung, dass sie in Zukunft wichtiger würden.

LICHTBLICKE FÜR DIE PRESSE
Interessant sind die Einschätzungen der Jugendlichen, welches Medium für welches Thema in Zukunft wichtiger werden wird. Im Kasten «Mediennutzung der Zukunft nach Themen» ist dargestellt, welches Medium für welches Thema in Zukunft wichtiger werden wird. Auch hier wird klar, dass das Internet seine dominante Stellung weiter ausbauen wird. Es verbucht bei sechs der acht Themen die höchste Zustimmung. Und bei den andern beiden Themen steht es auf Rang drei.
Einen Lichtblick gibt es für die gekaufte (oder abonnierte) Zeitung, die bei zwei Themen die höchste Zustimmung bezüglich zukünftiger Bedeutung verbucht. 60 Prozent sind der Meinung, dass sie für nationale und internationale Nachrichten wichtiger wird. Und auch für 57 Prozent ist sie bezüglich der regionalen und lokalen Nachrichten so. Bei den Themen Veranstaltungen/Ausgehen und Sport (praktisch gleichauf mit den Gratiszeitungen) und bei Film/Theater/Kunst kann sich die gute alte Tageszeitung immerhin als drittwichtigstes Zukunftsmedium platzie ren. Noch ist also nicht alles verloren. Zumal die Gratiszeitungen bei keinem Thema die abonnierten Zeitungen klar überflügeln. Die Zeitschriften können sich wenigstens zweimal in den ersten drei Rängen bezüglich zunehmender Wichtigkeit behaupten: bei der Unterhaltungselektronik sowie (zusammen mit TV) bei Reisen.
Eine starke Stellung nimmt auch hier das Fernsehen ein. Es erhält bei immerhin sechs von acht Themen die zweithöchste Anzahl Nennungen als Zukunftsmedium. Und beim Thema Musik wird es für immerhin 44 Prozent in Zukunft wichtiger sein. Schwach ist es nur bezüglich Veranstaltungen/Ausgehen. Interessant ist vor allem die starke Stellung bezüglich regionalen und lokalen Informationen. Offenbar üben hier die Regional-TV-Sender einen entsprechenden Einfluss aus.
Das Radio taucht unter den ersten drei nur einmal auf – bei der Musik. Bei den regionalen und lokalen Nachrichten wird es dagegen nur von 40 Prozent als zukünftig wichtigeres Medium bezeichnet. Das ist lediglich Rang fünf bei diesem Thema. Das zeigt, dass die hehren Ansprüche des Gesetzgebers und die zukünftigen Bedürfnisse weit auseinander klaffen (siehe dazu auch Artikel «Ans falsche Bein gepinkelt» auf Seite 20).

SPRUNGHAFTE MEDIENNUTZUNG
Eines ist klar: Papierlose Medien werden in Zukunft deutlich wichtiger werden. Das ist eigentlich heute schon jedem klar. Aber die gedruckten Medien haben durchaus ihre Chancen - wenn sie sich auf die Bedürfnisse ihrer zukünftigen Leserschaft einstellen und ihre Stärken ausbauen. Und diese liegen eindeutig bei den Nachrichten. Offen bleibt nur, was sich die Jugendlichen unter diesem Begriff genau vorstellen. Sind Nachrichten für sie einfach News? Oder sind es ausführliche Hintergrundartikel? Und wie ausführlich dürfen diese sein? Zu vermuten ist, dass die Jugendlichen und zukünftigen Erwachsenen Wert auf knappe und präzise Informationen legen. Denn nicht weniger als 54 Prozent der Jugendlichen nutzen mehrere Medien parallel. Und nicht weniger als 69 Prozent zappen gerne durch TV-Programme und surfen auf Websites. Ihre Mediennutzung kann als lustbetont und eher sprunghaft bezeichnet werden. Gleichzeitig sagen aber auch 53 Prozent, dass sie abonnierte Zeitungen meist allein nutzen, während dies bei Internet, Radio und TV nur bei weniger als 30 Prozent der Fall ist. Offenbar ist eine gewisse Bereitschaft da, ein (gedrucktes) Medium konzentriert zu nutzen.

NUTZUNG IN DER ZUKUNFT
THEMENINTERESSE

ZUKUNFTSTHEMEN NACH MEDIEN
STUDIEN-STECKBRIEF
Für die Studie «Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen im Wandel» hat das Link Institut insgesamt 500 Jugendliche in der deutschen (75%) und französischen (25%) Schweiz befragt. Je die Hälfte davon war weiblich bzw. männlich. Und davon waren wiederum je die Hälfte im Alter von 15 bis 17 bzw. 18 bis 20 Jahren. Diese Altersgruppe ist extrem internetaffin: Gemäss KommTech-Studie 2008 von Publica Data und IGEM haben 97,7 Prozent zu Hause einen Internetanschluss. Es ist deshalb legitim, eine solche Umfrage online zu machen. Befragt wurden Teilnehmer des Link-Internetpanels, dessen Mitglieder innerhalb von repräsentativen telefonischen Studien rekrutiert werden.
Abgefragt wurden folgende Medien bzw. Medienangebote:
• Zeitungen (bezahlt)
• Gratiszeitungen/Pendlerzeitungen
• Zeitschriften
• Fernsehen
• Radio
• Internet
• Handy/SMS
• Bücher
• Audio/Video-Streams/Podcasts

Vor der Befragung wurden die Fragebogen in vier qualitativen Pilotinterviews getestet, um sicherzustellen, dass die Begriffe richtig interpretiert werden. Die Befragung dauerte zwischen 15 und 20 Minuten und wurde zwischen dem 24. Juli und dem 11. August 2008 durchgeführt.
top

MACH Basic 2008

TRENDS 2008

© 2001 mediaTrendJournal | design by update AG, Zürich 2003